Die Fabel "Vom Skorpion und dem Frosch"

Ein Skorpion trifft am Ufer eines Flusses einen Frosch.
„Lieber Frosch, nimmst du mich mit auf deinem Rücken ans andere Ufer?“, fragt der Skorpion.
„Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir auf dem Wasser sind, dann stichst du mich und dann sterbe ich“, antwortet der Frosch.
„Nein, wenn ich dich steche, dann gehe ich doch unter und sterbe“, sagt der Skorpion.
„Das leuchtet mir ein. Steig auf meinen Rücken“, sagt der Frosch.

Kaum sind sie ein paar Meter geschwommen, verspürt der Frosch einen stechenden Schmerz. „Verdammt, jetzt hast du mich doch gestochen. Jetzt sterben wir beide“, sagt der Frosch.
„Ich weiss. Tut mir leid, aber ich bin ein Skorpion und Skorpione stechen nun mal“, antwortet der Skorpion.


Eine Metapher für Suchterkrankungen und Angehörige?!

Diese Fabel passt erschreckend gut zum Thema Suchterkrankungen. Der Skorpion handelt gegen jede Logik und sogar gegen sein eigenes Überleben – genauso wie es bei suchterkrannten Menschen oft der Fall ist.

Ähnlich wie der Skorpion, der seinem Instinkt folgt, wird das Verhalten suchtkranker Menschen stark von neurologischen und psychologischen Mechanismen gesteuert. Die Sucht verändert das Belohnungssystem im Gehirn so sehr, dass das Verlangen nach der Substanz oder dem Verhalten immer mächtiger wird und Risiken ausblendet.

Zudem spiegelt die Geschichte auch auf tragische Weise die Erfahrungen vieler Angehöriger wider. Der Frosch möchte helfen, vertraut dem Skorpion und hofft. Doch am Ende wird er enttäuscht – ein Schicksal, das viele Angehörige teilen. Immer wieder versuchen sie, einer suchterkrankten Person zu helfen, nur um erneut verletzt oder enttäuscht zu werden.
Immer wieder hören wir Sätze wie: "Sie hat es mir versprochen", "Er hat gesagt", "In der Klinik/beim beim Arzt/in der Beratung wurde ihm/ihr gesagt, dass..." (woraufhin wir oft fragen, ob der Angehörige das denn auch selbst gehört hat).
Als Angehörige haben wir unzählige Lügen gehört und ebenso viele Enttäuschungen erlebt. Wir schenken erneut unser Vertrauen – ohne konkreten Grund! Denn was hat sich seit der letzten Lüge, Enttäuschung oder dem gebrochenen Versprechen wirklich an der Suchterkrankung geändert?
Wie der Frosch erkennen auch Angehörige oft erst (zu) spät, dass sie sich selbst in Gefahr bringen – emotional, psychisch oder sogar körperlich.

Im Gegensatz zum Frosch haben Angehörige die Möglichkeit, ans rettende Ufer zu schwimmen – ohne den Skorpion auf dem Rücken.

 

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